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DORTMUNDER U
Zentrum für Kunst und Kreativität
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

+49 (0) 231.50-24723
info@dortmunder-u.de

© Winkelmann Filmproduktion 2009

© Winkelmann Filmproduktion 2009

Fliegende Bilder - Interview mit Adolf Winkelmann

Eine Portion Ruhrgebiet tanken

Wenn Sie demnächst die Rolltreppe im Dortmunder U hinauf fahren und neben ihnen spielt eine nur leicht bekleidete Bergmann-Kapelle ein Medley aus "La Paloma" und dem "Steigerlied" in Moll – dann steckt Filmemacher Adolf Winkelmann dahinter. Der Experte für skurrile Typen verwandelt den U-Turm innen und außen, mit magischen Bildern, fiktiven Fensterszenen und überraschenden Perspektiven. Ein Interview.

Herr Winkelmann, was genau haben Sie mit dem U-Turm vor?

Im Eingangsfoyer werden die Besucher von elf miteinander verbundenen Leinwänden empfangen, auf denen Ruhrgebiets-Panoramen zu sehen sind, aufgenommen an Kreuzungen, an Kanälen, in Fabriken, in der Natur... In der ersten, zweiten und dritten Etage wird man an der hohen vertikalen Wand Ruhrgebietsmenschen kennenlernen – keine echten Menschen, sondern ein Destillat aus allen Typen, die ich in 50 Jahren Ruhrgebiet erlebt habe. Die werden von Schauspielern wie August Zirner, Dietmar Bär oder Peter Lohmeyer gespielt. Diese Ruhrgebietstypen leben in Fenster-Löchern, sie erzählen dem Zuschauer von ihren kleinen Sünden, oder sie spielen ein Medley aus "Glück auf" und "La Paloma". Ganz oben auf dem Turm und weithin sichtbar werden Filmszenen projiziert: Das U wird zum riesigen Aquarium, oder einem Taubenschlag, oder zur Umlaufbahn des Sechs-Tage-Rennens...

Wie sind all diese Filme entstanden?

Der Aufwand war durchaus vergleichbar mit dem für einen Spielfilm, und die Dreharbeiten haben mich an Orte geführt, an denen ich noch nie war. Ich bin 100 Meter hoch auf ein Windrad geklettert, habe mich an einen fahrenden Roboter in einem Hochregallager geschnallt und am Förderband in der Müllsortierung gefilmt. Für die 360-Grad-Panoramen, bei denen wir quasi dokumentarisch eine ganz normale Szene irgendwo im Ruhrgebiet zeigen, haben wir mit einem Schwenkkopf aus der Astronomie gearbeitet, der normalerweise beim Fotografieren von Sternen benutzt wird, die eine Stunde lang belichtet werden. Nur so wurden die Aufnahmen präzise genug.

Steht eine Kernbotschaft hinter Ihren Filmen?

Die Besucher kommen ins U und wollen ja eigentlich etwas anderes: ein Ticket kaufen, ihren Mantel holen. Mein Ehrgeiz ist es, Bilder zu zeigen, die so faszinierend und gleichzeitig so klischeefrei sind, dass man quasi nebenbei eine Portion Ruhrgebiet tankt. Ich will Menschen erreichen, die sich in klassische Musentempel nicht reintrauen. Für mich ist das Gebäude magisch, und ich möchte, dass es durch meine Inszenierung rätselhaft bleibt und Fragen stellt. Auch wer das dritte Mal kommt, soll noch Neues zu sehen bekommen.

Als Filmemacher reizt es mich außerdem, neue Wege zu gehen. Das bewegte Bild hat eine rasante Entwicklung hinter sich – heute sieht man Filme ja überall im öffentlichen Raum, allerdings meist zu Werbezwecken. Ich will das Medium für die Kunst zurück erobern.

Als Kind konnten Sie das U von Ihren Kinderzimmer aus sehen ...

Damals hatte das Gebäude allerdings noch kein U auf dem Dach. Schon damals habe ich mir Licht herbeigewünscht: Immer, wenn vier beleuchtete Tannen auf dem Dach standen, war bald Weihnachten. Damals war die Stadt noch nicht an allen Ecken illuminiert, da waren die vier Bäume eine Attraktion.

Sie inszenieren das ganze Gebäude mit Bewegtbildern, von innen und von außen. Gibt es dafür ein Vorbild?

Nein, nicht dass ich wüsste. Zu jeder Film-Szene gehört übrigens auch Ton. Wir arbeiten noch daran, den Ton zu den Außen-Inszenierungen für die Betrachter draußen hörbar zu machen – nicht über Lautsprecher, wir denken da eher an eine Übertragung mittels Handy. Wenn das gelingt, wäre das die erste Medienfassade der Welt. Insofern sind die "Fliegenden Bilder" auch Forschungsprojekt.

Weitere Informationen – Zur Person

Adolf Winkelmann (Jahrgang 1946) ist Filmregisseur und –produzent aus Dortmund. Seine Kino- und Fernsehfilme wurden mehrfach und zahlreich prämiert, zuletzt erhielt etwa sein Fernsehfilm "Contergan" den Deutschen Fernsehpreis, einen Bambi und die Goldene Kamera. Er lehrt als Professor für Film-Design im Studiengang Film/Fernsehen an der Fachhochschule Dortmund. Um seine neuesten Filme zu sehen, muss man weder ins Kino gehen noch fernsehen, sondern nur auf und in das Dortmunder U schauen. Winkelmann wird dessen Einweihung im Jahr 2010 mit der Filminstallation "Fliegende Bilder" krönen.

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Kontakt

Winkelmann Filmproduktion GmbH
Disselhoffstraße 14
44141 Dortmund

Telefon: +49(0)231.427-1117
Fax: +49(0)231.427-2992

E-Mail: studio@winkelmann-film.de
www.fliegende-bilder.de

 

Zum Programm der Bilderuhr

Die U-Turm Bilderuhr auf der Dachkrone läuft täglich von 6:00 Uhr morgens bis Mitternacht. Jeder Tag hat sein eigenes Motiv. Zum Sonnenuntergang zeigen sich die Erinnerungen an die Motive der letzten 5 Tage. Die Brieftauben erscheinen von montags bis freitags immer zur vollen Stunde, am Wochenende sind es weiße Tauben.

In der Zeit von Mitternacht bis morgens um 6:00 Uhr zeigt die Bilderuhr die Echtzeit an - in Stunde, Minute und Sekunde.

 

Weitere Informationen

Video Fliegende Bilder - U-Turm
Video Fliegende Bilder - Steigerlied
Video Fliegende Bilder - Marion J.


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