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DORTMUNDER U
Zentrum für Kunst und Kreativität
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Stipendien des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2020 und 2021

Die Stipendien des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen gehen für die Jahre 2020 und 2021 an Julia Weißenberg (*1982, Bergisch Gladbach) und Sophia Bauer (*1987, Ebersberg).
Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

 


Begründungen der Jury:

 

Julia Weißenberg

Welche Erzählungen liegen unter den Oberflächen von Architekturen, Objekten, Produkten, die uns tagtäglich umgeben? Welche Geschichten sind darin verwoben? Welche Politiken des gesellschaftlichen globalen Miteinanders verbergen sich hinter dem Schein des Äußerlichen? Julia Weißenberg erforscht diese Politiken in ihren Werken mit unterschiedlichsten Medien und Formaten und legt sie offen. Es sind die Geschichten von Rohstoffen, die wir in Form von Kleidung oder technischem Gerät tagtäglich am Körper tragen und die, in ihrer Reinform betrachtet, globale Abhängigkeitsverhältnisse und Handelswege offenbaren. Es sind die Erzählungen von Marken und Produkten, die sich als unsichtbare Schichten über unsere Wahrnehmung und unsere Körper legen. Und es sind die Architekturen, die in ihrer Verortung in Raum und Zeit Utopien und Weltsichten manifest werden lassen. Julia Weißenberg bricht diese Oberflächen mit gezielten Interventionen auf und lädt uns ein, genauer hinzusehen.

 

Auch in ihrem Projekt „The Habitat“, mit dem sich Julia Weißenberg auf das Stipendium für Medienkünstlerinnen beworben hat, blickt die Künstlerin hinter die Kulissen zeitgenössischer Architekturen und fragt danach, wie sich verschiedene Formen von Arbeit in den Formen unseres Wohnens spiegeln. Konkret vergleicht sie hier die Lebensräume der „digitalen Nomaden“ mit denen chinesischer Wanderarbeiter in sogenannten „Urban Villages“. Während erstere ihren Wohnort selbst nach eigengesetzten Kriterien bestimmen und das Leben aus dem Koffer als den Luxus der Freiheit eines westlichen Lebensstils begreifen, sind die anderen Spielball übergeordneter Machtverhältnisse und zu einem Leben und Wohnen in einem dauerhaft temporären Zustand zwischen Abriss und Neuanfang verdammt. Wie lässt sich unter diesen jeweiligen Verhältnissen und in den dafür vorgesehenen Architekturen ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Identität herstellen, und welche Verbindung müssen unsere menschlichen Körper hierfür mit den architektonischen Körpern eingehen? Welche Bedeutung haben diese Kategorien überhaupt noch für ein modernes Nomadentum? Und gibt es ein Recht auf so etwas wie Heimat? Wir freuen uns, mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW Julia Weißenberg dabei zu unterstützen, dieses Projekt umzusetzen, und sind gespannt auf die neuen Lesarten, die sie uns dadurch eröffnen wird.

 

Julia Weißenberg (*1982 in Bergisch Gladbach) hat an der FH Düsseldorf sowie der Kunsthochschule für Medien Köln studiert und dort 2012 ihr Studium abgeschlossen. Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin:

 

www.juliaweissenberg.de

 

Tasja Langenbach für die Jury (Heike Ander, Nico Joana Weber, Tasja Langenbach)

 

Sophia Bauer

Im Zentrum von Sophia Bauers künstlerischer Praxis steht die Auseinandersetzung mit Klang als historischem Dokument und Ressource für neue Formen der Wissensproduktion: „Das Denken durch Klang als einem Netzwerk von Verbindung und Zugehörigkeit hilft uns, Strukturen von Ausgrenzung in Frage zu stellen“, so die Künstlerin. Dabei versteht sie Sound „als ein Medium, das die Kernideen der Trennungskonzepte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus“ kritisch beleuchten kann. In ihren Werken – zuletzt vorwiegend Klanginstallationen und Sound-Archive – befragt Sophia Bauer die tradierten hierarchischen Strukturen eines asymmetrischen Machtverhältnisses zwischen Mensch und Natur. Mithilfe von Soundaufnahmen werden die Nachwirkungen kolonialer Strukturen, wie sie sich beispielsweise in den biosozialen (Kommunikations-)Netzwerken von domestizierten Wäldern manifestieren, aufgespürt und offengelegt, um durch eine Rekontextualisierung alternative Zusammenhänge zu schaffen und neue Erkenntnisse für postkoloniale Diskurse zu gewinnen.


In ihrem mehrteiligen Werkkomplex Forest Scapes (seit 2019) erforscht Sophia Bauer den Einfluss des – in die botanische und zoologische Taxonomie eingeschriebenen – Kolonialismus auf verschiedene Waldlandschaften. Anknüpfend an ihre Klanginstallation „Kereita Forest Block“ über eineZypressenplantage im kenianischen Hochland, plant die Künstlerin nun im Rahmen des NRW Stipendiums für Medienkünstlerinnen eine umfassende Klangstudie über den „Arabuko Sokoke Forest“, einem der letzten noch weitgehend intakten trockenen Küstenwälder Ostafrikas mit einer Fläche von 420 Quadratkilometer. Im Mittelpunkt von Sophia Bauers akustischer Aufarbeitung steht ein Neudenken des Beziehungsgeflechts zwischen Bewohner*innen, Nutzer*innen, Orten und Pflanzen. Das künstlerische Ausgangsmaterial reicht dabei von aus der Kolonialzeit stammenden Berichten aus dem National Archive of Kenya über Interviews bis hin zu mit hochsensiblen Kontaktmikrofonen aufgezeichneten Klängen von Bäumen, Vögeln und Insekten. Aus diesem Repertoire programmiert Sophia Bauer eine Sound-Komposition, die auf Grundlage von akustischen Merkmalen zu einem sich stetig verändernden Klanggeflecht arrangiert und in eine räumliche Installation gebracht wird. Sophia Bauer hat uns mit ihrer Klangstudie Forest Scapes: Arabuko Sokoke Forest überzeugt, die verspricht eine komplexe, tiefgehende und politische Erfahrung von Naturräumen und Kulturlandschaften zu ermöglichen. Wir freuen uns, dieses transkontinentale Vorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können.



Sophia Bauer (*1987 in Ebersberg) arbeitet in ihren installativ-multimedialen Werken vorrangig mit Klang, Video und Fotografie. Sie hat Afrikanische Sprachen, Literatur und Kunst an der Universität Bayreuth studiert und 2019 ihr Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln abgeschlossen.

 

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin: www.sophiabauer.net

 

Heike Ander für die Jury (Tasja Langenbach, Nico Joana Weber, Heike Ander)




Über das medienwerk.nrw


Das medienwerk.nrw ist das Netzwerk für Medienkunst in Nordrhein-Westfalen. Ziel des medienwerk.nrw ist die Förderung der Medienkunst in NRW und des Austauschs zwischen Künstler*innen und Institutionen aus den Bereichen Forschung, Lehre, Produktion, Präsentation, Archivierung und Vermittlung im Kontext Medienkunst. Seit September 2013 wird das Netzwerk vom Büro des medienwerk.nrw unterstützt, das beim Hartware MedienKunstVerein (Dortmund) angesiedelt ist. Das Büro veranstaltet Workshops für junge Medienkünstler*innen, Netzwerkveranstaltungen und internationale Konferenzen zu aktuellen Themen und ästhetischen wie gesellschaftlichen Fragen der Medienkunst und digitalen Kultur an verschiedenen Orten in NRW. Gegenwärtig engagieren sich folgende Institutionen im medienwerk.nrw: Bielefelder Kunstverein, FFT Düsseldorf, Hartware MedienKunstVerein (Dortmund), imai –inter media art institute (Dusseldorf), Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Kultur‐Initiative Emscher-Lippe (Gelsenkirchen), Kunsthochschule für Medien Köln, Lehmbruck Museum (Duisburg), mex – intermediale und experimentelle Musikprojekte e.V. (Dortmund), Museum Ludwig (Cologne), NRW Forum Düsseldorf, PACT Zollverein (Essen), Schauspiel Dortmund, SK Stiftung Kultur (Cologne), Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, Ruhr-Universität Bochum – Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische“, Stiftung Künstlerdorf Schoppingen, super_filme e.V. (Witten), Temporary Gallery (Cologne), Universität Siegen, Lehrstuhl für Mediengeschichte, Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Kulturtheorie und Management, Videonale (Bonn), Zeitkunst e.V. (Cologne) www.medienwerk.nrw
Die Arbeit des Büros des medienwerk.nrw wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weitere Online-Links zu dem Thema:


https://www.facebook.com/medienwerk.nrw/posts/2979570635431513 https://twitter.com/medienwerk_nrw/status/1270365968271802369 https://www.medienwerk-nrw.de/2020/06/09/julia-weissenberg/ https://www.medienwerk-nrw.de/2020/06/09/sophia-bauer/
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