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DORTMUNDER U
Zentrum für Kunst und Kreativität
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

+49 (0) 231.50-24723
info@dortmunder-u.de

 

Termine

01.03. – 31.03.2013

ÖFFNUNGSZEITEN

Di + Mi 11:00 – 18:00 Uhr
Do + Fr 11:00 – 20:00 Uhr
Sa + So 11:00 – 18:00 Uhr
Mo geschlossen

EINTRITTSPREISE

Der Eintritt ist frei!

Christina Kubisch: Dichte Wolken


Ausstellung, Klangkunst

Museum Ostwall

Lautsprecher (4. Ebene)


 

Die Ankündigung dichter Wolken ist uns aus der Wettervorhersage bekannt. Zarte Wolken und wolkenverhangene Himmel kennen wir von den niederländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts oder den Wolken-Studien des britischen Malers John Constable zur Zeit der Romantik. Künstler faszinierten die am Himmel sichtbaren flüchtigen Gebilde, und sie legten unterschiedliche Botschaften in sie, die Kunstliebhaber entschlüsselten. Seit der Mitte der 2000er Jahre gibt es neben dem metereologischen Phänomen Wolke die metaphorische Rechnerwolke: Public Clouds, Privat Clouds, Hybrid Clouds oder Community Clouds bezeichnen die weltumspannend entwickelten Liefermodelle der IT-Technologie. Diese neuartigen Wolkenformationen speichern und übermitteln zahllose Botschaften, bleiben
unseren Sinnen aber verborgen. Gerade die Befassung mit dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren ist eines der zentrales Themen Christina Kubischs und führte sie zu der Erkenntnis: „Nichts hört sich so an, wie es aussieht. Nichts sieht so aus, wie es sich anhört.“ Die Künstlerin beobachtet seit Jahrzehnten genau technische Entwicklungen – die immense und sich erst im Laufe der Zeit zeigende Folgen für das Individuum und die Gesellschaft haben –, greift technische Möglichkeiten auf, verändert Technik, transformiert sie in Kunst, macht in den Werkentstehungen ihre neuen Erfahrungen und entwickelt hieraus wiederum neue Kompositionen und Klangskulpturen. Das künstlerische Feld Christina Kubischs lässt sich vielleicht am besten als ein Koordinatensystem aus Musik, Soundscape, Technik/Tontechnik und Bildender Kunst vorstellen. Durch ihre besondere Aufnahmetechnik macht die Künstlerin verborgene, eher beiläufig wahrgenommene oder überhörte Klänge erfahrbar. Dabei ist die Verdichtung des aufgenommenen Klangmaterials wesentlich für ihre Erzeugung klanglicher Atmosphären. Die Grenzen von Geräusch und Stille, Klang und Musik, vorhandenen wie von Christina Kubisch selbst erzeugten Klängen sind dabei fließend. Christina Kubischs Atmosphären entstehen durch ihre inneren Vorstellungen von Farben und Farbflächen, die ihrem Komponieren, Komprimieren, Schneiden und Neuzusammenstellen von Material zugrunde liegen. Obwohl die Künstlerin nicht mehr malt, sieht sie oft Klänge eher als Farben, denn als strukturelle Elemente. Während der Titel Cloud weltweit aufgenommenes Klangmaterial zur Grundlage hat, beziehen sich die drei folgenden Titel auf das Museum Ostwall und dessen neuen Standort im Dortmunder U. Der Titel Under Construction spielt auf die Umbauphase des ehemaligen Brauereigebäudes in den Jahren 2009/10 an, die Komposition ZeroMachine basiert unter anderem auf den Frequenzen von Otto Pienes Lichtskulptur Flower Power aus den 1960er Jahren, bei der Hunderte kleiner roter Neonbirnen pulsieren. Auch Flux konnte nur im MO entstehen, denn die Komposition geht auf Klänge verschiedener Kunstwerke und einer beleuchteten Vitrine mit Multiples und Objekten des Fluxus zurück, die zu den
Sammlungsschwerpunkten des Museums gehören. Die künstlerische Arbeit Christina Kubischs steht jedoch selbst im Kontext der Fluxus- Bewegung, die Kunst und Alltag verbinden wollte. So regt sie bei ihren Klangskulpturen wie bei Ihren Electrical Walks dazu an, mit ihrem speziellen Kopfhörer von ihr erprobte Wege zu
nehmen oder dicht an Klangquellen heranzutreten. Diese Handlungsanweisungen erinnern an die Scores der Fluxus-Künstler, die ihrerseits durch die musikalischen Partituren John Cages angeregt waren.

Christina Kubischs Kunst ist intermedial, musikalisch, kartographisch, poetisch, performativ, partizipativ und prozessual. Die Künstlerin arbeitet mit offenen und veränderlichen Strukturen und ist jenen künstlerischen Vorstellungen und Denkfiguren verbunden, die sich seit der Kunst Marcel Duchamps und der Musik von John Cage über die Fluxus-Bewegung bis heute entwickeln. Christina Kubisch trägt zu dieser Entwicklung wesentlich bei.

Die CD Dichte Wolken erscheint anlässlich Christina Kubischs gleichnamiger Ausstellung in der Reihe Schaufenster des Museum Ostwall im Dortmunder U, die von September 2011 bis Januar 2012 drei neue Klangkunstarbeiten präsentierte. Die Klangskulptur Cloud und der
Electrical Walk ‚U’ wurden 2012 von den Freunden des MO für das Museum Ostwall erworben.

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